
Leipzig gilt seit Jahren als Mekka für zeitgenössische Kunst und kreative Freiräume. Doch während Ausstellungen in Galerien und Museen meist nur das fertige Werk an makellos weißen Wänden präsentieren, bleibt der Entstehungsprozess oft im Verborgenen. Genau hier setzen die Offenen Ateliers Leipzig an: Am Sonntag, den 27. September 2026, öffnen über 100 Künstlerinnen und Künstler im gesamten Stadtgebiet ihre Arbeitsräume. Ein Blick auf ein Kulturformat, das die Szene nahbar macht und den Diskurs direkt an die Werkbank holt.
Hinter den Kulissen der Leipziger Kunstszene
Zum 25. Mal jährt sich die Initiative, die einst klein begann und sich längst zu einer festen Säule des städtischen Kulturlebens entwickelt hat. Die Offenen Ateliers sind kein klassisches Event und keine Messe. Sie sind eine Einladung zum Dialog zwischen Kunstschaffenden und Publikum. Von Malerei und Grafik über Bildhauerei und Fotografie bis hin zu experimentellen Medien und Kunsthandwerk zeigt sich die Leipziger Szene in ihrer gesamten Bandbreite. Wer durch die Ateliertüren tritt, entdeckt nicht nur Leinwände und Skulpturen, sondern riecht die Ölfarbe, sieht Skizzenbücher, Materiallager und unfertige Arbeiten. Es ist diese Unmittelbarkeit, die das Format so wertvoll macht: Besucher*innen erfahren aus erster Hand, welche Konzepte, Technikentscheidungen und Arbeitsabläufe hinter den Werken stecken.
Bunte Hotspots und versteckte Hinterhöfe
Die geografische Verteilung der Ateliers liest sich wie eine Tour durch die kulturelle DNA der Stadt. Während der Leipziger Westen rund um Plagwitz und Lindenau – allen voran das Areal der Leipziger Baumwollspinnerei und die Kunstkraftwerk-Nachbarschaft – traditionell eine hohe Dichte an Ateliergemeinschaften aufweist, lohnt sich der gezielte Blick in andere Stadtteile. Zum Beispiel in den Atelierhof Monopol.
Im Osten, etwa im Neustädter Markt-Kiez oder entlang der Eisenbahnstraße, haben sich in den letzten Jahren viele junge, interdisziplinäre Kollektive angesiedelt. Der Leipziger Süden lockt mit versteckten Hof-Ateliers in der Südvorstadt und Connewitz.
Eine Liste mit allen teilnehmenden Locations gibt es hier.
Einblicke in die Werkstätten. Ein Tipp aus der Redaktion
Die Leipziger Kunstszene platzt aus allen Nähten – bei über 100 geöffneten Türen gibt es unzählige fantastische Künstlerinnen und Künstler zu entdecken. Weil die Entscheidung bei dieser Fülle gar nicht so leichtfällt, stellen wir euch drei Künstler*Innen vor, die uns ins Auge gestochen sind.
My Schweer – Malerei & Visuelle Kunst
Die Leipziger Künstlerin My Schweer fasziniert mit ausdrucksstarker, oft großformatiger Malerei und Zeichnung. In ihren Arbeiten setzt sie sich intensiv mit Körperformen, Intimität und menschlicher Psychologie auseinander. Die Werke leben von dynamischen Linien, einer feinen Balance zwischen Abstraktion und Figuration sowie spürbarer Emotionalität. Ein Besuch in ihrem Atelier gibt tiefe Einblicke in ihre Herangehensweise an Körper und Identität. Das abgebildete Kunstwerk ist eine Zusammenarbeit mit Meret Idan, die ebenfalls bei den Offenen Ateliers teilnimmt.
Tim Louis – Abstrakte Kunst & Nachwuchssupport
Ganz ohne eigene Website steht Tim Louis beispielhaft für die vielen jungen Leipziger Positionen, die man am besten direkt im Atelier entdeckt. Genau hier greift die Idee der Offenen Ateliers: lokalen Künstler*innen ohne große Infrastruktur eine Sichtbarkeit zu geben und frische, unentdeckte Kunst direkt vor Ort zu unterstützen.
Rainer Jacob – Bildhauerei & Skulptur
Der Leipziger Bildhauer Rainer Jacob arbeitet unter anderem mit Stein, Holz und außergewöhnlichen Materialien und ist bekannt für seine skulpturalen Interventionen im öffentlichen Raum. Seine Arbeiten verbinden präzises Handwerk und gesellschaftskritischen Fragestellungen. Ein Besuch in seiner Werkstatt bietet die Gelegenheit, Plastik und Bildhauerei in ihrer ursprünglichsten, haptischen Form zu erleben.
Ingeborg Freytag – Malerei, Grafik & Interdisziplinäre Soundkunst
Ingeborg Freytag vereint in ihren Arbeiten Bildende Kunst und Klangwelten zu einem ganzheitlichen Erlebnis. Ihre Werke reichen von Malerei, Grafik und Fotografie bis hin zu experimenteller Soundkunst. Zur Jubiläumsausgabe der Offenen Ateliers erwartet Besucher*innen in ihrem Atelier im Markkleeberger Wolfswinkel eine besondere Live-Aktion: Zwischen 16:00 und 18:00 Uhr lädt sie zu einem intimen Konzert aus Geige, Perkussion, Spoken Poetry und Loopmachines ein.
So funktioniert der Besuch: Praktische Hinweise
Der Ablauf ist denkbar einfach und auf Niedrigschwelligkeit ausgelegt:
- Termin: Sonntag, 27. September 2026
- Öffnungszeiten: Durchgehend von 10:00 bis 18:00 Uhr
- Eintritt: Der Besuch aller teilnehmenden Ateliers ist kostenfrei.
- Orientierung: Auf der offiziellen Website des Veranstalters sowie in ausliegenden Programmheften steht eine interaktive Stadtkarte zur Verfügung, mit der sich individuelle Touren per Fahrrad oder ÖPNV planen lassen.
Was an diesem Wochenende ansonsten noch so in Leipzig geht, könnt ihr hier mitbekommen!